Erstes internationales Seminar des
RYÛKYÛ KOBUDÔ TESSHINKAN KYÔ KAI in Minsk / Belarus,
03. - 06. Februar 2010

Ein Seminar der Superlative war das erste internationale Kobudô-Seminar in Belarus. Die Organisatoren Sergei Mirutenko (6. Dan Karate, 1. Dan Kobudô) und Igor Mirutenko (4. Dan Karate, 1. Dan Kobudô) von der „International Traditional Martial Arts League“ hatten perfekte Arbeit geleistet und keine Wünsche offen gelassen. Insgesamt 100 Teilnehmer aus Belarus und Kaliningrad (Russische Föderation) trainierten begeistert an vier Tagen in insgesamt 7 Trainingseinheiten das Ryûkyû Kobudô. Lehrgangsleiter Frank Pelny (5. Dan Karate, 3. Dan Kobudô), Technischer Direktor des Tesshinkan Kyô Kai für Europa, war extra aus Deutschland angereist, um mit den Teilnehmern vor allem die grundlegenden BO-Techniken, aber auch Techniken mit Tekkô, Nunchaku und Sai zu üben.

Neben den traditionellen Technikabläufen wurden auch viele Partnerübungen ausgeführt und so ein Gefühl für die Techniken und den Waffeneinsatz entwickelt. Dass die Techniken äußerst wirkungsvoll sind bewies Frank Pelny bei seinen Demonstrationen, bei denen er (unabsichtlich) zwei BÔ zerbrach. Alle Teilnehmer waren begeistert bei der Sache und es war spürbar: Jeder wollte dabei sein!

Zusätzlich wurden zwei spezielle Trainingseinheiten mit den Instrukteuren durchgeführt, in denen technische Details und höhere Kata behandelt wurden. Die abschließenden Prüfungen (6x 5. Kyû, 3x 3. Kyû, 1x 2. Kyû, 1x 1. Kyû) bestätigten das hohe Niveau, welches die Kobudôka in Belarus inzwischen erreicht haben. Sergei und Igor Mirutenko unternahmen mit Frank Pelny auch eine Stadtbesichtigung. Das großzügig angelegte Minsk und seine Tradition beeindrucken den deutschen Trainer sichtlich. Zum Ende des Seminars überreichte der Präsident der „International Traditional Martial Arts League“, Sergei Mirutenko, als Dankeschön ein Ehrendiplom und ein Gruppenbild an Lehrgangsleiter Frank Pelny.





Die tiefsten Flüsse fließen am leisesten

Ruhig und gründlich vorbereitet verlief – ganz ohne Pomp und Eitelkeit – vom 3. bis 6. Februar ein wichtiges Ereignis für Weißrusslands Budôwelt – das erste internationale Ryûkyû Kobudô Tesshinkan-Seminar.

Die Ryûkyûs, deren größte Insel Okinawa ist, sind ein Archipel im Japanischen Meer. Kobudô bedeutet „Alte Kampfkunst“. Das Tesshinkan ist eine der wenigen modernen Hauptrichtungen des Okinawa Kobudô und wurde begründet von Hanshi Tamayose Hidemi (9.Dan), einem der besten Schüler des 1999 verstorbenen Großmeisters Akamine Eisuke. In Europa hat das Tesshinkan speziell in Deutschland eine großartige Entwicklung genommen. Einen besonderen Stellwert nimmt dabei Frank Pelny ein – jemand, der sich sehr um die Systematisierungen der Techniken und neuer Lehrmethoden für diese einzigartige Kampfkunst verdient gemacht hat.

In unserem Verband arbeiten wir seit langer Zeit mit Waffen. Wir versuchten Sai, Bô, Nunchaku, Jô usw. seit unserem Bestehen (1988) tiefgründig zu üben. Aber plötzlich standen uns bloß vereinzelte und oft methodisch-stilistisch unterschiedliche Informationen zur Verfügung, die weit entfernt vom Original waren. Diese Art und Weise kann einem fortgeschrittenen Schüler durchaus zur Meisterschaft führen, aber es ist letztlich auch eine Verspottung eines jeden traditionellen Kampfkünstlers, der unter einem berühmten Meister in den Räumen seiner Schule lernt. Solche Demonstrationen taugen allenfalls für den Zirkus.

Als ich vor vier Jahren begann, Tesshinkan zu lernen, unterhielt ich mich mit meinen weißrussischen Karateschulen. Ich verstand, dass es für viele sehr interessant war, aber sie ließen den Stil aus verschiedenen Gründen beiseite liegen. Von einem anderen Standpunkt aus gesehen ist es natürlich schwer, eine Informationsquelle zu finden. Nun, Meister Pelny war bereits fünfmal in Okinawa, nahm an vielen zehrenden Trainings teil und vollbrachte große Leistungen, Hilfsmittel und Methoden zu ersinnen. Es ist nicht übertrieben, aufgrund seiner Hartnäckigkeit, ihm Talent und Konsequenz zuzusprechen.

Für jene, bei denen es nicht auf Anhieb klappt, existiert leider kein Zaubermittel. Aber es ist durchaus möglich schwierige Dinge zu meistern – es ist alles nur eine Frage des Aufwandes. Nichts ist unmöglich. Man halte sich das Ziel vor Augen und arbeite geradewegs darauf zu.

Dieses Mal wurde in unserem Verband wieder großartige Arbeit geleistet, um die Grundlagen des Tesshinkan zu vermitteln genauso wie eine theoretische Basis.

Es gibt eine ganze Reihe von nationalen Wettkämpfen und Seminaren. Aber das Kobudô zu meistern, ist eine anspruchsvolle Sache, denn eine Waffe ist eine Waffe – Fortschritt hängt stark von der Kontinuität und der regelmäßigen Übung ab. Um beständige Techniken zu haben, ist es notwendig jeden Tag kleine Technikkomplexe zu üben. Die Arbeit mit dem Partner und Kumite-Übungen werden entsprechend schwierig.


Im Kobudô existieren spezielle Bewegungsmuster, es gibt viele Überraschungen für Karateka, welche Distanzverhalten sowie die Gelenk-und Muskelkoordination betreffen.

Im Gebiet der ehemaligen Sowjet-Union gibt es lediglich 4 Schwarzgurte – zwei in Kaliningrad und zwei in Minsk. Man darf nicht vergessen, dass Kobudô auch sehr interessant für die Jugend ist und ebenso wunderbar zum traditionellen Karatedô passt. Ob es überhaupt unterschiedlich sein könnte? Karate und Kobudô haben die gleichen Wurzeln und stammen von der kleinen Insel Okinawa, die genauso viele Einwohner hat wie Minsk.

Wir möchten unsere Dankbarkeit und unsere Achtung gegenüber Meister Frank Pelny für die Leitung des Seminars und seine Offenheit zum Ausdruck bringen. Außerdem möchten wir einem weiteren Meister danken, der sich bemüht das Kobudô bekannt zu machen – Pawel Dolgatschow aus Kaliningrad. Ohne seine Teilnahme an meinem Schicksal in der Vergangenheit, wäre dieses Ereignis heute nicht zustande gekommen.

Ich möchte euch danken, euch meinen Schülern, für die Hilfe und ernsthafte Verbindung.

Per aspera ad astras! Über die Mühen zu den Stern

Direktor
Sergei Mirutenko